Das Web als Informationsquelle im Innovationsmanagement
Inhalt:
- Einführung
- Zusammensetzung der Befragungsteilnehmer
- Rechercheaktivität
- Innovationsarten
- Informationsquellen
- Suchwerkzeuge
- Fazit
Fraunhofer IAO führte im Rahmen der Projektarbeiten des THESEUS-Forschungsprogramms eine Befragung zum Einsatz internetbasierter Suchtechniken unter 1.000 »Innovation Professionals« deutscher Unternehmen durch. Der Rücklauf von 142 Fragebogen (schriftlich und online) wird als Indiz für die Aktualität und die wahrgenommene Wichtigkeit der Thematik gewertet. Im Rahmen der Befragung wurden die bei der Informationsbeschaffung im Innovationsmanagement eingesetzten internetbasierten Informationsquellen untersucht. Zudem lag ein Fokus der Befragung auf der Analyse der Zufriedenheit mit der realisierbaren Ergebnisqualität sowie den aktuellen Problemen und Grenzen internetbasierter Informationssuche.
Die Ergebnisse der Befragung sind bedingt repräsentativ für die gesamte deutsche Industrie - die Auswahl der Teilnehmer erfolgte nicht vollständig zufällig: Die Adressaten wurden teilweise gezielt selektiert, um einen möglichst hohen Anteil an »Innovation Professionals« zu erreichen: 450 Adressen stammten aus einer entsprechenden Industriekontaktliste des Instituts. 550 weitere wurden aus einer kommerziellen Adressdatenbank extrahiert. Bei letzteren wurden nur solche Adressaten ausgewählt, deren Positionsfreitext-Beschreibung auf eine innovationsbezogene Tätigkeit hinwies bzw. deren Unternehmensnamen den Begriff »innovativ« bzw. »Innovation« enthielt.
Zusammensetzung der Befragungsteilnehmer
Es lagen insgesamt 142 Fragebogen für die Auswertung vor. Die Befragungsteilnehmer sind am häufigsten in den Branchen Maschinenbau/ Metallverarbeitung (24 Prozent) und der Dienstleistungsindustrie (21 Prozent) vertreten. Dann folgen Automobilindustrie (15 Prozent), IT/Kommunikation (14 Prozent) und mit jeweils 8 Prozent Umwelt/Energietechnik, Elektrotechnik und Pharma- und Konsumgüterindustrie (siehe folgende Abbildung).
Hinsichtlich der Verteilung nach Unternehmensgröße können 15 Prozent als Kleinstunternehmen (bis 9 Beschäftigte), 43 Prozent als kleine und mittelgroße Unternehmen (unter 250 Beschäftigte) und 42 Prozent als Großunternehmen (über 250 Mitarbeiter) klassifiziert werden.
37 Prozent der Teilnehmer gehören der Geschäftsführung an, 23 Prozent arbeiten in der Forschung und Entwicklung und jeweils 13 Prozent in den Abteilungen Innovationsmanagement und Marketing/Vertrieb (siehe folgende Abbildung).
Rechercheaktivität
Innovationsarten
Internetbasierte Suchtechniken können zur Informationsbeschaffung für alle Innovationsarten eingesetzt werden. Für Produkt- und Dienstleistungs-innovationen wird internetbasierte Informationsbeschaffung aktuell am häufigsten genutzt, und auch zukünftig wird ihr die größte Bedeutung beigemessen. Für Prozess-, Geschäftsmodell- und Sozialinnovationen werden internetbasierte Informationsquellen derzeit deutlich weniger eingesetzt, doch auch hier wird zukünftige Bedeutung des Internets höher eingeschätzt. Bei der Interpretation der folgenden Abbildung ist zu berücksichtigen, dass bei den Angaben zu Geschäftsmodell- und Sozialinnovationen die Non-Response-Raten vergleichsweise hoch waren.
Informationsquellen
Im Rahmen der internetbasierten Informationsbeschaffung kommt eine Vielzahl verschiedener Quellen zum Einsatz. Die folgende Abbildung verdeutlicht die Nutzeneinschätzung der verschiedenen Quellen durch die Befragungsteilnehmer. Der größte Nutzen wird (was wenig überrascht) den Suchmaschinen und Online-Enzyklopädien zugeschrieben. Ebenfalls sehr hoher Nutzen wird den Online-Wirtschafts- und Fachzeitschriften, Forschungs- und. Technologieportalen sowie Patentdatenbanken zugeschrieben. Überraschend niedrig schneiden die typischen Web 2.0-Quellen wie Social Networks, Experten- und Verbraucher-Blogs sowie Open Innovation-Plattformen ab. Dies liegt vermutlich zumindest teilweise an dem noch geringen Verbreitungsgrad dieser recht neuen Art von Informationsquellen – insbesondere auch bezüglich einer Nutzung durch Unternehmen.
In welchen Phasen des Innovationsprozesses internetbasierten Informationsquellen bei den Befragten zum Einsatz kommen, wird in untenstehender Tabelle verdeutlicht. Dabei waren die Innovationsphasen wie folgt vorgegeben: 1=Innovationsanstoß, 2=Ideensammlung, 3=Ideengenerierung und 4=Ideenbewertung. Suchmaschinen werden in allen Phasen häufig eingesetzt, Forschungs- und Technologieportale sowie Onlineausgaben von Wirtschafts- und Fachzeitschriften kommen besonders in den frühen Phasen Innovationsanstoß und Ideensammlung zum Einsatz. Online-Enzyklopädien und insbesondere Patentdatenbanken werden eher für die nachfolgende Ideenbewertung genutzt.
Lesehilfe: 28 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass Online-Verteiler von Pressemitteilungen für sie in der Innovationsphase »Innovationsanstoß« von Bedeutung sind.
Suchwerkzeuge
Fazit
- mächtige Möglichkeiten der Suchraumbeschränkung und der Ergebnisfilterung besitzen,
- über transparente und adaptierbare Ranking-Methoden verfügen,
- die insbesondere eine Identifikation besonders aktueller Informationen zulassen und
- dokumentspezifische Eigenschaften (wie verfügbare Metadaten) einsetzen, um sowohl die Ausdrucksmächtigkeit der Suchanfragesprache zu erhöhen, als auch anwendungsfallspezifische Möglichkeiten der Ergebnisdarstellung zu unterstützen, sowie
- langfristige Informationsbedürfnisse unterstützen, etwa durch eine automatisierte Wiederholung der Suchabfrage und eine Benachrichtigung über neue Ergebnisse nach dem Push-Prinzip.
Im Web Intelligence-Bereich dieser Website werden entsprechende Konzepte tiefergehend diskutiert und verschiedene Werkzeuge vorgestellt, die zur Umsetzung eingesetzt werden können (eine Übersicht findet sich in der Rubrik Web Intelligence-Tools.
Etwas überraschend mutet die Erkenntnis an, dass typische Web 2.0-Informationsquellen wie Konsumenten-Blogs und Diskussionsforen im Innovationsmanagement (bislang) nicht als herausragend wichtig angesehen werden. Auch die Bedeutung von Open Innovation-Portale wird (bislang) eher gering eingeschätzt. Zumindest bei letzteren kann dies teilweise auf den noch geringen Bekanntheitsgrad zurückgeführt werden. Offene Ideenportale können ebenso wie Blogs und Diskussionsforen von Unternehmen als »Listening Platforms«, also als Kommunikationskanal zu Endverbrauchern eingesetzt werden und stellen somit eine prinzipiell für unternehmensstrategische Fragestellungen relevante Informationsquelle dar. Auf dieser Website werden neben »klassischen« Informationsquellen wie Patentdatenbanken, Pressemitteilungen und Suchmaschinen für wissenschaftliche Veröffentlichungen daher auch Social Media-Quellen wie Blogs, Diskussionsforen und Ideenportale untersucht.



